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Übertrittszeugnis

Auf drei Noten kommt es an

 

 

2,33 und 2,66, das sind die Zahlenkombinationen, die derzeit durch die Klassenzimmer aller Viertklässler und vor allem durch die Köpfe der Eltern dieser Schulkinder schwirren.

Auch Sandra und Andreas R. denken derzeit an nichts anderes. Denn diese Zahlenkombinationen stehen für die Notendurchschnitte, die ihr Sohn Philipp erreichen muss, wenn er das Übertrittszeugnis entweder für Gymnasium oder Realschule erhalten will.

Damit dies klappt, setzen die Eltern Himmel und Hölle in Bewegung. Dreimal wöchentlich Nachhilfeunterricht, Diktate zu Hause, verschiedene Matheübungen und vieles mehr. Philipp hat nicht mehr viel Freizeit, aber: „Das Kind auf eine Hauptschule schicken, das will doch heutzutage niemand mehr“, sagen die Eltern. Gymnasium oder wenigstens Realschule sind das erklärte Ziel.

 

Aber ist dies wirklich so sinnvoll? Natürlich, der Wettbewerb in der heutigen Zeit ist gnadenlos. Der Druck auf Eltern und Schüler wächst, je näher das Zwischenzeugnis rückt.

Fakt ist jedoch auch, dass viele Kinder in der vierten Klasse einfach noch nicht reif genug sind, um den Übertritt auf eine weiterführende Schule zu schaffen. In diesem Fall ist es gut, noch ein Jahr zu warten und erst dann entweder auf ein Gymnasium oder eine Realschule zu wechseln. Und falls es dann wieder nicht klappen sollte, stellt auch die Hauptschule keineswegs den Anfang vom Ende dar. Im Gegenteil: Die Hauptschulen sind wichtig, um gerade praktisch veranlagte Kinder optimal auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten. Und manch einer mit einem guten Qualifizierten Hauptschulabschluss hat noch eher eine Lehrstelle gefunden, als ein Realschul- oder Gymnasium-Abbrecher gänzlich ohne Schulabschluss.

 

Diese Meinung vertritt auch Christian Jecht, Inhaber und Leiter des Nachhilfeinstituts „Paukkammer“ in Regensburg: „Jedes Kind entwickelt seine verschiedenen Fähigkeiten unterschiedlich schnell. Und gerade dieses eine Jahr kann unglaublich viel ausmachen. Ich kenne Beispiele, bei denen das Kind in der 4. Klasse den Übertritt trotz aller Bemühungen niemals geschafft hätte, und ein Jahr später sieht die Situation ganz anders aus. Und für viele Kinder ist die Hauptschule einfach die beste Lösung.“

Doch wie sollen sich Eltern verhalten, deren Kind kurz vor dieser wichtigen Entscheidung steht? Detlef Ammon ist leitendes Mitglied der Betriebsleitung des gemeinnützigen Schulvereins Pindl in Regensburg. Für ihn stellt das Gespräch mit dem Klassenlehrer den wichtigsten Schritt dar. „Zum beginnenden vierten Schuljahr sollten Eltern das Gespräch mit dem Klassenleiter suchen. Er weiß am besten über den Kenntnis- und Entwicklungsstand der Kinder Bescheid und kann somit beurteilen, inwieweit die Kinder für einen Übertritt geeignet sind oder nicht. Seinem Urteil sollten die Eltern dann auch Vertrauen schenken und den Rat beherzigen.“ Auch zu viel Nachhilfeunterricht bringt in seinen Augen nichts. Man darf nicht den Fehler machen und den Kindern durch zuviel Druck die Freude an der Schule nehmen und ihnen sonst gar nichts mehr gönnen. Auf diese Weise erreicht man nämlich nur das Gegenteil“, so Ammon.

Ein gesundes Mittelmaß an verschiedenen Hilfemöglichkeiten ist also mit ausschlaggebend, für einen erfolgreichen Übertritt.

                                                                                                         Eva Linzmeier

 

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