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Erster Tag im Kindergarten

Ein kleiner Schritt in eine völlig neue Welt

Simons erster Tag im Kindergarten

 

Seit Tagen ist Simon furchtbar aufgeregt, denn heute hat er seinen großen Tag – seinen ersten Tag im Kindergarten. Zusammen mit Mama hat er die vergangenen Wochen eine Brotzeittasche, einen Turnbeutel und extra Hausschuhe gekauft. Alles von „Bob, dem Baumeister“, den mag Simon nämlich besonders gerne. Alle Sachen stehen jetzt fertig gepackt im Flur, und Simon wartet ungeduldig darauf, dass Mama und Papa endlich fertig sind: „Kommt schon!“, sagt er. „Gehen wir endlich.“

 

Dann ist der große Moment da. Die Kindergartentür öffnet sich und dahinter wartet schon die Erzieherin, die Simon bereits an seinem Schnuppertag kennen gelernt hat. Zusammen ziehen sie die Jacke aus und die neuen Hausschuhe an. Alles ist wunderbar, doch der Moment des Abschieds rückt näher. Und als Simon plötzlich bemerkt, dass Mama und Papa nun wirklich - ganz in echt - gehen wollen, fließen dann doch die Tränen. Simon klammert sich an Mamas Beine und auch für die Eltern wird der Abschied jetzt richtig schwer. Mit der Kindergartenleiterin hatten sie sich vorher auf einen schnellen Abschied geeinigt, denn jedes Hinauszögern ist nur unnötiger Schmerz für alle. Also drücken sie den Dreijährigen noch mal ganz fest und versprechen ihm, ihn in drei Stunden ganz bestimmt wieder abzuholen.

 

Tatsächlich, kaum sind Mama und Papa gegangen, ist Simon so eingenommen von der neuen Umgebung und den vielen tollen Spielsachen, dass die Tränen schnell versiegt sind. Er ist beschäftigt mit Rutschen, Malen und Memory spielen. Es gibt so viel zu entdecken.

 

Leider läuft ein erster Kindergartentag nicht immer so problemlos ab. Gabriele Baumeister, Leiterin des Kindergartens Arche Noah, kennt auch ganz andere Fälle. „Manche Kinder hören gar nicht mehr auf zu weinen und man kann sie auch mit den besten Tricks nicht beruhigen. Deswegen ist es wichtig, dass die Eltern in dieser Zeit telefonisch erreichbar sind und im Notfall ihre Kinder auch wieder abholen können.“

 

Der Zeitpunkt, wenn ein Kind in den Kindergarten kommt, ist sowohl für das Kind als auch für die Eltern ein großer Einschnitt. Das erste Mal sind die Kleinen für längere Zeit von daheim weg und fremden Menschen überlassen. Das ist nie leicht und jeder reagiert hier anders. Gerade die ersten Wochen nach den Sommerferien sind die Erzieherinnen und Pflegerinnen daher besonders gefordert. Damit sie sich um jeden Neuling auch optimal kümmern können, treffen diese gestaffelt im Kinderarten ein. „Jeden Tag maximal zwei Neue in jeder Gruppe.“, beschreibt Gabriele Baumeister das Konzept ihres Kindergartens. „Nur so können wir garantieren, dass jedes Kind auch die benötigte Aufmerksamkeit bekommt.“

 

Auch die Eltern können helfen. Sie sollten mit ihren Sprösslingen über den Kindergarten und das, was sie dort erwartet, sprechen. Dabei ist es aber nicht sinnvoll, falsche Erwartungen zu wecken. Das Kind sollte von Anfang an wissen, dass es hier, genau wie daheim, Regeln und Pflichten gibt, die man beachten muss.

 

Und natürlich ist es Voraussetzung, dass das Kind kindergartenreif ist. So sollte es zum Beispiel über ausreichend Sprachvermögen verfügen und für neue Erfahrungen offen sein. „Das Kind sollte von sich aus den Wunsch haben, andere Kinder und neue Spiele kennen zu lernen. Nur dann ist der Zeitpunkt für den Kindergarteneintritt auch der richtige.“, so Baumeister. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern müssen bereit sein, los zu lassen. Sie müssen akzeptieren, dass es nun weitere wichtige Personen im Leben ihrer Sprösslinge gibt.

 

„Eingewöhnungsprobleme kann es bei jedem Kind geben.“, sagt Gabriele Baumeister, „Doch irgendwann wird sich das Kind jeden Tag aufs Neue auf das große Abenteuer Kindergarten freuen.“

 

Simons erster Kindergartentag hat so viel Spaß gemacht, dass er im Nu um war. Und als er das nächste Mal aufblickt, stehen Mama und Papa schon in der Tür. Er läuft freudestrahlend in ihre Arme: „Hier ist es super!“, ruft er. „Kann ich morgen wiederkommen?“

 

 

Eva Linzmeier

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